Ein aufrechter Gelehrter erhebt seine Stimme

Zur Situation in Gaza hat sich kürzlich eine bemerkenswerte Persönlichkeit sehr deutlich zu Wort gemeldet. Richard Falk ist emeritierter Professor für internationales Recht und internationale Beziehungen. Er hat viele Jahre in Princeton gelehrt, er ist US-Amerikaner jüdischen Glaubens, und er tritt unbestechlich für die Wahrheit ein, wenn es um die palästinensisch-israelischen Beziehungen geht.

Zur Zeit ist er im dritten Jahr seiner 6-jährigen Amtszeit als Sonder-Berichterstatter für palästinensische Menschenrechte bei den Vereinten Nationen.

In einem Artikel auf seiner Website, der eigentlich als Neujahrsbotschaft konzipiert ist, warnt er vor einer zweiten „Operation gegossenes Blei“, also einer möglichen neuen massiven militärischen Operation Israels gegen Gaza.
Den Artikel übernahm zuerst der arabische Nachrichtensender Al Jazeera in seine online-Ausgabe vom 04. Januar. Er wurde vielfach nachgedruckt und dabei u.a. auch ins Deutsche übersetzt.
In einer E-mail an die Redaktion dieser Website bedauert Prof. Falk, dass der ursprüngliche Titel seines Textes nicht in die breitere Öffentlichkeit gelangt ist: STOP OPERATION CAST LEAD 2: THE MORAL SHOCK AND AWE OF GLOBAL SILENCE—A New Year’s Message for 2011. Der Artikel zeichnet sich durch eine radikale Deutlichkeit aus, die wir hier in Deutschland - zumindest in den Medien des sog. mainstreams - bitter vermissen. Besonders hervorzuheben ist einerseits Richard Falks Anklage: „Das Schweigen, im Angesicht der wachsenden Hinweise, dass Israel plant, die "Operation Gegossenes Blei 2" auszulösen, ist eine niederschmetternde Form von Komplizenschaft auf höchsten Regierungsebenen, speziell seitens der Länder, die mit Israel eng verbunden sind. Ausserdem spiegelt es den moralischen Bankrott der Vereinten Nationen wider.“ Und andererseits beeindruckt seine Beobachtung bzw. Einschätzung: „Einzig und allein die Zivilgesellschaft hat angemessen auf die moralische, rechtliche und politische Situation reagiert. Ob diese Reaktionen zum Ziel führen, wird nur die Zukunft zeigen. Das Free Gaza Movement und die Freedom Flotilla haben die Blockade viel effektiver in Frage gestellt als die Vereinten Nationen oder irgendeine Regierung, indem sie Israel (zumindest rein rhetorisch) zum Nachgeben gebracht hat und indem die Zusage auf einen Blockade-Stop zumindest für humanitäre Güter und Baumaterialien erreicht wurde.“ Es stimmt hoffnungsvoll, wie dieser unabhängige, verdiente und geachtete Gelehrte die Rolle der Zivilgesellschaft als so bedeutsam einschätzt. Richard Falk hat übrigens die „Stuttgarter Erklärung“, die aus der Palästina-Solidaritätskonferenz Ende November in Stuttgart hervorgegangen ist, mit unterzeichnet und kommentiert. Diese Erklärung liegt weiter online zur Mitunterzeichnung aus. Original (engl.) deutsche Übersetzung bei Al Jazeera (engl.) Stuttgarter Erklärung Richard Falk über die Stuttgarter Erklärung (dt.) Zum Weiterlesen über Richard Falk: Am 15. Januar schreibt er unter dem Titel Jewish Identity einen selbstreflektorischen, sehr persönlichen Artikel, der noch nicht in deutscher Übersetzung vorliegt.