Die Menschenrechtsaktivistin und Journalistin Ewa Jasiewicz in Konstanz


(awc-ks) Ewa Jasiewicz sprach am Sonntag, den 7. März 2010 auf Einladung der European Education Help Union und des Konstanzer „Vereins zur Förderung des multikulturellen Denkens e.V.“ Über ihre Erlebnisse im sog. Gaza-Streifen. 

Im Dezember 2008 hielt sich Frau Jasiewicz während der „gegossenes Blei“ genannten militärischen Vergeltungsaktion Israels im Gazastreifen auf.

 

Die Referentin war eigens zur Konstanzer Veranstaltung aus England angereist. Bei der Veranstaltung war zu spären, dass sie noch tief berührt ist von dem, was sie in Palästina erlebt hat.  Als Journalistin und Aktivistinwar sie Zeugin der Militäraktion, die sich unverhohlen gegen die Zivilbevölkerung im Gaza-Streifen richtete.

Das kompetente Referat, das Ewa Jasiewicz mit Video- und Bilddokumenten untermauerte, machte u.a. drei Grenzsituationen aus, die von Israel mit allen Mitteln durchgesetzt werden und welche die Blockade und damit den Gefängnischarakter des Gaza-Streifens konstituieren:

-die Grenze zu Land

-die Grenze zur See

-die Grenze zum Tod.

 

Sind die beiden ersten Grenzsituationen allein schon Verstöße gegen internationales Recht, so spielen sich im dritten Grenzbereich perfide Verbrechen gegen die Menschheit ab, so Ewa
Sie schilderte eindrücklich Situationen, in denen das israelische Militär „zweimal geschossen hat“. Einmal wenn ein Angriff auf Bauern auf dem Feld, auf Menschen in ihren Häusern oder auf den Straßen stattfand, und ein zweites Mal, wenn danach Rettungskräfte zum Einsatz kamen. 
Obwohl die Rettungskräfte nach internationalem Standard gekennzeichnet waren, wurden Fahrzeuge und Helfer bombardiert. Ewa wurde Zeugin solch einer Ermordung, als der Fahrer eines Rettungswagens beim Aussteigen aus seinem Fahrzeug durch Bombensplitter getötet wurde. 
Nach Einschätzung der Referentin lässt die israelische Regierung bewusst und mit Absicht Rettungskräfte angreifen, um den Menschen im Gazastreifen die Grenze zum Tode ständig vor Augen zu führen, sie zu demütigen und ihnen die Kraft zum Widerstand zu nehmen. 
Dass bei diesen Militärschlägen auch sog. Drohnen, unbemannte bombentragende Flugkörper, wider alles internationale Recht gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt werden, war nur eine der vielen erschütternden Informationen, die Frau Jasiewicz ihren Zuhörerinnen und Zuhörern mitbrachte.

 

Ihr Besuch und ihr Vortrag haben gezeigt, dass die Authentizität einer Rednerin oder eines Redners das beste und wohl einzige Mittel ist, um einen Sachverhalt und eine Botschaft tiefergreifend zu vermitteln.

So wird wohl keine der Zuhörerinnen und keiner der Zuhörer je den kurzen Film vergessen, der Ewa dabei zeigt, wie sie als Freiwillige eine Gruppe von Bauern bei der Linsen-Ernte begleitet, durch ihre Anwesenheit schätzt und dabei riskiert, selbst auch beschossen zu werden. Ewas Rufe durch das Megaphon. „There is no reason to shoot!“ hinüber zum israelischen Grenzturm haben sich bestimmt in das Gedächtnis der Zuhörerschar in Konstanz eingegraben.

Ihr Appell, nicht länger zuzusehen, wie in Palästina täglich Menschenrechte verletzt und Verbrechen begangen werden und für die Solidarität mit Palästina einzutreten, richtete sich nicht nur an das Publikum in dem kleinen Veranstaltungsraum in Konstanz.

Ewa sieht die europäischen Regierungen als Mitschuldige, die dringend an ihre Mitverantwortung für die desaströse Situation Palästinas erinnert werden müssen.

Genauso wichtig sind die kleinen Schritte, die die einzelnen Menschen gehen können. Ewa berichtete, dass es in Großbritannien schon eine respektable Bewegung dafür gibt, Waren aus den illegalen israelischen Siedlungsgebieten zu boykottieren.

 

v.l.: V. Schmitz, E. Jasiewicz, A. Asfoor
Am Büffet voller arabischer Köstlichkeiten konnte sich nach dem Vortrag dann eine weniger bedrückte Atmosphäre einstellen. Ewa nahm sich für jede Gesprächspartnerin und für jeden Gesprächspartner Zeit, wechselte vom Englischen ins Arabische, freute sich über Anregungen und Rückmeldungen. So verbreitete sich bald ein kosmopolitisches Flair im Raum, neben Arabisch und Englisch wurde Deutsch, auch Schwyzerdütsch, gesprochen
Alle fühlten sich in einer nachdenklichen Gemeinsamkeit aufgehoben. Alle verband das Erlebnis, an diesem Sonntagabend die dargestellte fremde Welt irgendwie als die eigene zu begreifen, vermittelt durch eine Zeugin der Vorgänge iim Gaza-Streifen, die respektvoll und unaufdringlich zur Mitwirkung und zur Mithilfe einlud.

 

Für ihr Kommen und für ihren Vortrag bedankte sich Adil Asfoor im Namen der Gastgeber herzlich bei der Referentin und wünschte Ewa eine gute Reise zu ihrem Ziel am nächsten Tag: Polen.

 

Eine Randbemerkung am Schluss: Die Arbeit von Volker Schmitz, der den Vortrag aus dem Englischen ins Deutsche übersetzte und die Diskussion begleitete, war überaus gelungen. Seinem eigenen Bekunden nach geht ein solches Übersetzen nur dann gut, wenn der Übersetzer selbst auch innerlich an der Sache beteiligt ist.