Zu den Afghanistan-Demonstrationen vom 20.09.2008
Es ist natürlich schön, in der „jungen Welt“ von heute zu lesen:
„Zufrieden mit den Protesten äußerten sich deren Organisatoren. Es sei gelungen, ein beeindruckendes Zeichen gegen die völkerrechtswidrige Intervention in Afghanistan zu setzen. Immer mehr Bundesbürgern werde bewußt, daß Besatzung und Krieg sowie die vorgesehene Truppenverstärkung von US-Armee und Bundeswehr das Land weiter destabilisieren würden. Selbst Exverteidigungsminister Peter Struck, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, räumte am Wochenende ein, die Zustimmung zum Bundeswehreinsatz sinke. Dessenungeachtet sprach er sich erneut dafür aus, der möglichen Bitte der NATO um Entsendung von AWACS-Aufklärungsflugzeugen nachzukommen.“
„Zufrieden mit den Protesten äußerten sich deren Organisatoren. Es sei gelungen, ein beeindruckendes Zeichen gegen die völkerrechtswidrige Intervention in Afghanistan zu setzen. Immer mehr Bundesbürgern werde bewußt, daß Besatzung und Krieg sowie die vorgesehene Truppenverstärkung von US-Armee und Bundeswehr das Land weiter destabilisieren würden. Selbst Exverteidigungsminister Peter Struck, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, räumte am Wochenende ein, die Zustimmung zum Bundeswehreinsatz sinke. Dessenungeachtet sprach er sich erneut dafür aus, der möglichen Bitte der NATO um Entsendung von AWACS-Aufklärungsflugzeugen nachzukommen.“
Welche Wirkung die Demonstrationen, zu denen AWC Deutschland e.V. als unterstützende Organisation mit aufgerufen hatte, tatsächlich hatten, ist schwer einzuschätzen.
Ein Streifzug durch die im Internet dokumentierten Medien-Beiträge zeigt vor allem, dass fast alle „großen“ Tageszeitungen vornehm schweigen. Die Süddeutsche weiß, auf Baden-Württemberg bezogen, großflächig Bescheid über die abermalige Abfuhr, die sich ein Herr Metzger bei seiner Bundestags-Kandidaten-Kür bei der CDU eingefahren hat. Von einer Demonstration in der Landeshauptstadt Stuttgart weiß das Premium-Blatt nichts, auch nichts von einer Demonstration in der Bundeshauptstadt.
Die wenigen Medien, die berichten und den Inhalten der Demonstrationen nicht nahe stehen, reden die beiden Ereignisse in Berlin und Stuttgart klein.
Wie immer geht es dabei auch um Teilnehmer-Zahlen. Wenige Leute, keine Ausschreitungen, keine Verletzten, kein Rauch, nix los, also kein Bericht, kein Kommentar scheint die journalistische Logik zu sein.
Inhalte gibt es nicht, solange sie nicht z.B. bei Frau Will am Sonntagabend im Mainstream-Kabinett dran waren. Und die aktuelle Mitschuld Deutschlands an Kriegen, die an verschiedenen Plätzen der Welt geführt werden, die war eben dort noch nicht dran und wird wohl auch so schnell nicht drankommen.
Noch einmal zurück zu den Zahlen und zum Beispiel Stuttgart. Wie kann es sein, dass die Teilnehmer-Zahlen vom Samstag einfach mal um den Faktor drei auseinander liegen? Der SWR meldet 2.000 Teilnehmer, einer der Beiträge bei indymedia redet von 4.000 Leuten, ein weiterer Beitrag, ebenfalls bei indymedia, behauptet, 6.000 Leute konnten gesichtet werden.
Faktor drei bedeutet: Ein Haus ist einmal 7,50 Meter hoch, ein anderes Mal 22,50 Meter, oder ein Mensch wiegt einmal 50 kg, ein anderes Mal 150 kg. Die lustigen Beispiele ließen sich fortführen.
Aber allen Ernstes: Gelegentlich wird Journalisten vorgeworfen, ihre Sorgfaltspflicht erschöpfe sich darin, bei Berichten über Demonstrationen die Zahlen der Polizei einfach zu übernehmen. Auf der anderen Seite kann es nicht angehen, dass ein „unabhängiges“ Mediennetzwerk sich einfach von der Wirklichkeit „unabhängig“ macht.
Zur Pflicht einer freien und unabhängigen Presse gehört es einerseits, sorgfältig über die Wirklichkeit zu berichten und andererseits, die von der Politik nicht gewollten Themen auch anzuschauen. Fest steht: Die Medien in Deutschland zensieren sich vorsichtshalber de facto selbst. Sie betreiben die Entpolitisierung der Gesellschaft mit, wenn sie sich in politischen Lappalien baden und dem Sport und sog. Promis unendlich viel Raum geben. Unfreiheit kommt nicht immer laut trompetend, sondern leise schleichend daher, und übrigens von verschiedenen Seiten.
Ein Streifzug durch die im Internet dokumentierten Medien-Beiträge zeigt vor allem, dass fast alle „großen“ Tageszeitungen vornehm schweigen. Die Süddeutsche weiß, auf Baden-Württemberg bezogen, großflächig Bescheid über die abermalige Abfuhr, die sich ein Herr Metzger bei seiner Bundestags-Kandidaten-Kür bei der CDU eingefahren hat. Von einer Demonstration in der Landeshauptstadt Stuttgart weiß das Premium-Blatt nichts, auch nichts von einer Demonstration in der Bundeshauptstadt.
Die wenigen Medien, die berichten und den Inhalten der Demonstrationen nicht nahe stehen, reden die beiden Ereignisse in Berlin und Stuttgart klein.
Wie immer geht es dabei auch um Teilnehmer-Zahlen. Wenige Leute, keine Ausschreitungen, keine Verletzten, kein Rauch, nix los, also kein Bericht, kein Kommentar scheint die journalistische Logik zu sein.
Inhalte gibt es nicht, solange sie nicht z.B. bei Frau Will am Sonntagabend im Mainstream-Kabinett dran waren. Und die aktuelle Mitschuld Deutschlands an Kriegen, die an verschiedenen Plätzen der Welt geführt werden, die war eben dort noch nicht dran und wird wohl auch so schnell nicht drankommen.
Noch einmal zurück zu den Zahlen und zum Beispiel Stuttgart. Wie kann es sein, dass die Teilnehmer-Zahlen vom Samstag einfach mal um den Faktor drei auseinander liegen? Der SWR meldet 2.000 Teilnehmer, einer der Beiträge bei indymedia redet von 4.000 Leuten, ein weiterer Beitrag, ebenfalls bei indymedia, behauptet, 6.000 Leute konnten gesichtet werden.
Faktor drei bedeutet: Ein Haus ist einmal 7,50 Meter hoch, ein anderes Mal 22,50 Meter, oder ein Mensch wiegt einmal 50 kg, ein anderes Mal 150 kg. Die lustigen Beispiele ließen sich fortführen.
Aber allen Ernstes: Gelegentlich wird Journalisten vorgeworfen, ihre Sorgfaltspflicht erschöpfe sich darin, bei Berichten über Demonstrationen die Zahlen der Polizei einfach zu übernehmen. Auf der anderen Seite kann es nicht angehen, dass ein „unabhängiges“ Mediennetzwerk sich einfach von der Wirklichkeit „unabhängig“ macht.
Zur Pflicht einer freien und unabhängigen Presse gehört es einerseits, sorgfältig über die Wirklichkeit zu berichten und andererseits, die von der Politik nicht gewollten Themen auch anzuschauen. Fest steht: Die Medien in Deutschland zensieren sich vorsichtshalber de facto selbst. Sie betreiben die Entpolitisierung der Gesellschaft mit, wenn sie sich in politischen Lappalien baden und dem Sport und sog. Promis unendlich viel Raum geben. Unfreiheit kommt nicht immer laut trompetend, sondern leise schleichend daher, und übrigens von verschiedenen Seiten.
Der Bericht einer Teilnehmerin an der Demonstration in Stuttgart ist in die AWC-Bibliothek eingestellt.