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06.10.2014

Aufrüttelnde Tagung und markantes Jubiläum

"Perspektivenwechsel" und 10 Jahre AWC Deutschland e.V.

Auch die achte Tagung von AWC Deutschland e.V. kann als deutlicher und schöner Erfolg in die Chronik von AWC eingehen. Von Jahr zu Jahr wächst die Akzeptanz der Tagungen durch die Öffentlichkeit. So sind zahlreiche Teilnehmer_innen  mittlerweile Stammgäste. Die nachdenkliche und dabei stets respektvolle und kommunikative Atmosphäre der Tagungen zieht auch „Neue“ immer wieder in ihren Bann.

Vor dem ersten Vortrag am Freitagabend waren die Konferenzteilnehmer und Konferenzteilnehmerinnen  zu einem kleinen Empfang eingeladen. Der Anlass zu diesem eher ungewohnten Auftakt einer AWC-Tagung war das 10jährige Jubiläum der Gründung von AWC Deutschland e.V.

Ingrid und Klaus Schittich, die 1. Vorsitzende und der Schriftführer des Vereins, moderierten den kleinen Empfang und gaben ihm einen gedanklichen Hintergrund. Bei Saft, Sekt und Kanapees skizzierte Klaus Schittich in kurzen, thematischen Gedankenbildern seine Erinnerungen an diese 10 Jahre AWC Deutschland. Unter dem Titel „Die Zukunft ist immer schon jetzt“ entwickelte Ingrid Schittich acht Thesen  zur Weiterarbeit und zur Zukunft von AWC Deutschland (Anmerkung 1).

Felix Butzlaff, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Göttinger Institut für Demokratieforschung, eröffnete die Reihe der Tagungsvorträge zum diesjährigen Rahmenthema: „Perspektivenwechsel - vom Zuschauen zum Handeln“.


 Felix Butzlaff
 Bild: awc_fp

Sein Thema: „Die neue Macht der Bürger. Neues Selbstbewusstsein in Zivilgesellschaft und Protest?“ stand in Zusammenhang mit einer  aktuellen Studie zu Bürgerprotesten, deren Mitherausgeber Felix Butzlaff ist.
Die Studie ist preiswert als Sonderausgabe der Bundeszentrale für politische Bildung erreichbar (Anmerkung 2).

Der junge Wissenschaftler gab den Zuhörer_innen weitreichende Einblicke in das Konzept und in die Realisation des Forschungsprojektes, das der genannten Studie zu Grunde liegt. Eine besondere, authentische und lokale Note bekam sein Vortrag durch die Mitteilung, dass er selbst an der Feldforschung zu STUTTGART 21 beteiligt war.

Aus der Reihe der Ergebnisse der Studie, die Felix Butzlaff vorstellte und erläuterte, seien hier wenigstens zwei genannt:

-in der Regel protestieren Männer, die Zeit für solches Engagement haben, besonders Teilzeitangestellte, Freiberufler und Pensionäre

-der Bildungsabschluss der Protestierenden ist in der Regel hoch, und sie haben ein sicheres Einkommen.


Der Empfang und der erste Vortrag fanden Beachtung in der örtlichen Presse (Anmerkung 3).

Der Samstagvormittag bescherte den Teilnehmer_innen ein besonderes Erlebnis. Die Veranstalter hatten Jürgen Grässlin, den bekanntesten Rüstungsgegner Deutschlands, gebeten, persönliche Akzente mit in seinen Vortrag einzubeziehen. Bei seinem Referat „David und Goliath. Wie man der Rüstungsindustrie das Fürchten lehrt" sollte der Akzent unbedingt auf dem David liegen.

Diesem Wunsch kam Jürgen Grässlin nach, indem er seine Geschichte als Rüstungsgegner skizzierte, von den kleinen Anfängen in Freiburg bis heute zu seinem jüngsten Buch (Anmerkung 4), zu dem ihn eine nicht abreißen wollende Lesereise durch die ganze Republik führt.


 Jürgen Grässlin
 Bild. awc_fp

Mit großem Respekt und mit spürbar echter Zuneigung ließen sich die Zuhörer_innen auf die Person Jürgen Grässlin ein: Auf den Ehemann und Vater, auf den Vollzeit arbeitenden Lehrer, auf den Kenner der bildenden Kunst, auf den Schriftsteller, auf den penibel Recherchierenden.

Besonders berührend Grässlins Bekenntnis zur Rolle seiner Frau, die ihn selbstredend auch auf der Reise nach Überlingen begleitet hatte. Ohne sie hätte er absolut nichts von all dem erreichen können, was er erreicht hat, betonte Jürgen Grässlin.
  
Freilich landete er bei seinen Ausführungen immer wieder deutlich beim Goliath, der Rüstungsindustrie. Das war in der Rüstungsstadt Überlingen auch kaum anders denkbar. Die lokale Presse widmete dem Vortrag Jürgen Grässlins den zweiten Artikel zur Tagung (Anmerkung 5). Sein Vortrag wird demnächst als Audiodatei zugänglich sein.

In ein buntes, verführerisches  Reich möglicher Bürgerproteste führte am Nachmittag Dr. Harro Hanolka die Teilnehmer_innen. An packenden Beispielen entlang, von der Unterschriftenliste bis hin zur Sitzblockade, konnten die Zuhörer_innen immer gleichzeitig ausloten, wie weit sie selber gehen würden.


 Dr. Harro Honolka
 Bild. awc_fp

Die lebhafte Aussprache nach seinem Referat zeigte, dass Dr. Honolka die Gemüter in Bewegung gebracht hatte. Als Arbeitsunterlage zu seinem Vortrag hatte Dr. Honolka Auszüge aus seinem Buch „Jetzt reicht’s!“ ausgelegt, von denen wir hier zwei, zusammen mit dem Inhaltsverzeichnis des Buches, online verfügbar machen (Anmerkung 7).

Mit Marian Klapp, cand. psych., führten die Veranstalter die Tradition fort, auch ganz junge Wissenschaftler_innen bzw. Redner_innen zu Wort kommen zu lassen. Sich „nicht täuschen zu lassen“ durch die Verführungsmachenhaften von Marketing und Wissenschaft, war das Anliegen seines Referats (Anmerkung 8).


Marian Klapp
Bild: awc_fp

Sein souveräner, nachdenklicher und zugleich frisch einladender Stil machte es den Zuhörer_innen leicht, auch noch am späten Nachmittag diese eigentlich schwere Kost zu genießen, welche Theorie und Praxis der Statistik gemeinhin darstellen.

Die Zuhörer_innen haben aus Marian Klapps Vortrag eine deutliche Skepsis mitgenommen gegenüber statistisch belegt daherkommenden Aussagen in den Medien und besonders in der Werbung. 


   Zum Weiterlesen:

>  1) Thesen zur Weiterarbeit von AWC [I.Schittich]

>  2) Studie zu Bürgerprotesten bei der bpb
       
>  3) Pressebericht über die Tagung [Südkurier, 29.09.2014]

>   4) Autorenlesung J. Grässlin [Webartikel]

>  5) Pressebericht über die Tagung [Südkurier, 04.10.2014]

>  6) Auszüge aus Harro Honolka: Jetzt reicht's!

>  7) Referat Marian Klapp

Zum Nachlesen:

>  Webartikel vor der Tagung, u.a.mit Programm und Informationen zu
     den Referenten

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